Merle-Faktor bei Hunden

Hunde können verschiedene Fellfarben haben. Durch die Kombination von Genen ist eine sehr große Vielfalt möglich. Es gibt auch Gendefekte bzw. Genbesonderheiten. Dazu zählt auch der Merle-Faktor. Wobei es von Hunderasse zu Hunderasse durchaus sehr verschieden sein kann, wie hoch die Varietät am Ende wirklich ist. So gibt es beispielsweise den Labrador immer nur in einfarbig und hier eigentlich nur in hell (wobei es hier eine breite Bandbreite an Schattierungen gibt, diese reicht von fastweiß bis ziemlich gelb bzw. golden), braun (chocolate) und schwarz (neuere Züchtungen wie Silber mal außen vorgelassen).

Den Australian Shepherd gibt es da in deutlich mehr Variationen beim Fell (siehe Australian Shepherd Aussehen). Es gibt die vier Grundfarben und diese können wieder mit vier verschiedenen Abzeichenkombinationen gemischt werden und am Ende gibt es den Australian Shepherd gleich in 16 verschiedenen möglichen Farbvarianten bzw. Musterungen.

Neben den einfachen Grundfarben Schwarz und Rot (manchmal auch Liver bzw. Leber genannt), gibt es noch die Merle-Farben. Damit kommt man auf diese vier Farbmöglichkeiten beim Aussie:

Zum einen kann der Australian Shepherd in Blue Merle daherkommen und eben auch in Red Merle.

Was bedeutet aber der Merle-Faktor beim Hund?

Aber was ist Merle bzw. was versteht man unter dem Merle Faktor beim Hund?
Ist das Fell Merle, dann ist die Grundfarbe des Fells stellenweise aufgehellt, und zwar in einer Weise, dass die Grundfarbe als unregelmäßige und zerrissen wirkende Flecken auf einem aufgehellten Grund zu sehen sind. Man findet als Beschreibung auch den Begriff Marmorierung, wobei hier eigentlich der Begriff marbled benutzt werden würde. Bei Merle ist das Fell auf jeden Fall nicht einheitlich eingefärbt, sondern es kommt zu einer charakteristischen Fellscheckung. Diese wird durch Depigmentierung und irreguläre Pigmentverteilung nicht nur im Haar verursacht. Betroffen sein können auch Haut und Auge.

Merle Faktor beim Hund

Merle und Genetik

Der Merle-Faktor lässt sich auf das Merle-Gen im Erbgut des Hundes zurückführen. Dabei handelt es sich um eine eine Mutation des Silver-Locus-Gens (Pmel17), das sich beim Haushund auf Chromosom CFA10 befindet.

Das Merle-Gen hellt nur Eumelanin auf, während es Fellbereiche, in denen ausschließlich Phäomelanin vorkommt, unverändert lässt. Sowohl Eumelanin als auch Phäomelanin sind Pigmente, die gemeinsam eben die Haar- und Hautfarbe bestimmen können. Beim Hund eben die Haarfarbe.

Wenn ein heterozygoter (mischerbiger) Träger des Merle-Gens mit einem Hund gepaart wird, der das Merlegen eben nicht hat, sind statistisch 50 % Merle- und 50 % andersfarbige Welpen zu erwarten. Das ist aber nur Statistik. In der Praxis sind es normalerweise weniger als die Hälfte Merle-Welpen.

Aussehen mit Merle

Wie oben schon erwähnt, gibt es zwei Pigmente, die für die Fellfarbe verantwortlich sind: Eumelanin und Phäomelanin.

Eumelanin verursacht die schwarze Fellfarbe. Kommt es hier zu einer Mutation, dann werden Fellbereiche, in denen ausschließlich Eumelanin produziert wird, eben nicht schwarz, sondern diese werden aufgehellt, und zwar zu Braun oder Grau (auch silbergrau, auch mit rot- oder Blaustich – Blue-Merle und Red-Merle). So entstehen weiße Abzeichen in einem Bereich, der eigentlich schwarz oder braun sein sollte. Wie groß die Abzeichen sind, ist unterschiedlich. Es können richtig große Flecken sein, es können aber auch nur einzelne Haare sein, so dass das Fell wie fein gesprenkelt oder von hellen Haaren durchzogen wirkt. Es gibt auch die Möglichkeit, dass das Schwarz zu einem Grau aufgehellt wird. Wobei Grau nicht gleich Grau sein muss. Es gibt dunkles Graublau aber eben auch ein Grau mit einem Stich rosa.

Merle-Faktor auch mit Auswirkungen auf die Augen

Der Merle-Faktor kann auch Auswirkungen auf die Augen haben. Die Augen können einfarbig braun, einfarbig blau, oder gemischtfarbig sein – wobei es Hunde gibt, die ein blaues und ein braunes Auge haben, als auch solche, die beide Farben in einem Auge vereinen.

Merle-Faktor und die Augenfarbe.
In diesem Fall führt der Merle-Faktor nicht nur zu einer besonderen Fellfarbe. Dieser Aussie hat zwei verschiedenfarbige Augen.

Auswirkungen auf die Gesundheit des Hundes

Der Merle-Faktor hat nicht nur Auswirkungen auf die Fellfarbe sondern kann auch gesundheitliche Auswirkungen haben. Dabei sind Hunde, die das Gen nur einmal aufweisen, also heterozygot (gemischterbig) meist gesund. Bei reinerbigen (homozygoten) Tieren kann es aber zu gesundheitlichen Problemen kommen. Insbesondere Taubheit kann zu einem Problem werden. Während reinerbige Tiere zu 10 Prozent einseitig und zu 15 Prozent sogar beidseitig taub sind (damit ist jedes vierte Tier betroffen) sind es bei den mischerbigen nur 2,7 bzw. 0,9 Prozent. Womit aber immer noch jedes 33. Tier ein Problem mit dem Höhren hat. Bei homozygoten Tieren können außerdem auch noch Fehlbildungen der Augen auftreten. Dazu kommen weitere Beeinträchtigungen, die Entwicklung ist verlangsamt und häufig ist es auch so, dass ein Hund, der eben solche Beeinträchtigungen aufweist nicht nur weniger Lebensfreude zeigt, sondern eben auch häufig früher als beispielsweise seine Wurfgeschwister stirbt. Siehe auch Gesundheit Australian Shepherd.

Konsequenz: Aus Tierschutzgründen wird die Verpaarung zweier Träger des Merle-Faktors nicht empfohlen. Es gibt ein Gutachten zur Auslegen von §11 des Tierschutzgesetzes. Dieser Paragraph beschäftigt sich mit dem Verbot von Qualzuchten. Das Gutachten spricht die Empfehlung aus, auf die Zucht mit dem Merle-Gen zu verzichten.

Artikel: Merle – Eine Farbzeichnung auf Kosten der Gesundheit.
Antwort eines Tierarztes zu einer gesundheitlichen Frage über die Auswirkungen des Merle-Faktors beim Blue-Merle-Collie. Diese Tierklink führt den Merle-Faktor in der Liste vererbter Defekte und angeborener Besonderheiten auf.

Red Merle Australian Shepherd Kopf
Red Merle Australian Shepherd Kopf Nahaufnahme.

Man sollte sich vor Augen halten, auch wenn gerade der Australian Shepherd in den Farben Blue-Merle bzw. Red-Merle wunderschön aussieht, dass diese Färbung eben durch ein defektes Gen zustande kommt. Was wir als Schön empfinden und oft, aber eben nicht immer, einfach nur zu einer schönen Fellfärbung führt, kann eben auch gesundheitlich höchst problematisch sein.

Hunderassen mit Merle-Gen

Der Australian Shepherd ist nicht die einzige Hunderasse, bei der der Merle-Faktor vorkommen kann. Verbreitet ist Merle als Farbvariation beim Hundefell auch in der Colliezucht. Zu den weiteren Hunderassen gehört zum Beispiel die Deutsche Dogge und Dackel der Farbe Tiger. Collies, Shelties und anderen mit der Farb-Bezeichnung Blue Merle, Corgies, Foxhoundschläge, Catahoula Leopard Dog, Dunkerhunden, einigen Hütehundeschlägen wie Mudi, Bergamasker Hirtenhund, Border Collies, Bobtails, Australian Shepherds und Farbschlägen des Altdeutschen Hütehundes, dem Beauceron, dem Chihuahua, dem Prager Rattler und dem Jack Russell Terrier und noch einige Rassen mehr, die hier nicht aufgezählt sind, da ihnen noch die Anerkennung von der FCI fehlen.

Hunderassen mit Merlefärbung, die vom FCI als Standard anerkannt ist:

  • Shetland Sheepdogs
  • Collie
  • Border Collie
  • Australian Shepherds
  • Dackel
  • Great Danes – hier hinter verbirgt sich die Deutsche Dogge und hier zeigt sich, wie zwiespältig man mit dem Merlegen durchaus umgeht. Bei der Dogge kann der Merle-Faktor schwarz-weiss gefleckte Tiere hervorbringen, die auch gewünscht sind. Es gibt aber auch grau-weiss und weisstigern (vorwiegend weisse) Doggen, deren Fellfarbe so eben nicht gewünscht ist. Hier geht es also rein um Optik.
  • Cardigan Welsh Corgi
  • Chihuahua
  • Cocker Spaniel
  • Pit Bull
  • Catahoula Leopard Dog
  • Norwegian Hound
  • Pyrenean Shepherd
  • Pomeranian
  • Beauceron Sheepdog

Beispiel Rassestandard für den Blue-Merle-Collie

Beim Collie wird im Rassestandard sogar definiert, wie eine perfekte Merle-Färbung auszusehen hat. Beim Blue-Merle-Collie wäre das: Schwarz gesprenkelt, aber niemals großflächig schwarz gefleckt. Halskrause, Brust, Pfoten, Läufe und Schwanzspitze können weiss sein, ebenso die Blesse. Der Blue-Merle-Collie sollte braune Abzeichen aufweisen, wie sie vom Tricolor erwartet werden. Ein oder beide Augen können blau sein.

Merle nur bedingt Fehlfarbe

Bei Merle handelt es sich nicht per se um eine Fehlfarbe. Es mag Hunderassen geben, bei denen das nicht gewünscht ist, beim Australian Shepherd ist Merle eine erlaubte Farbkombination. Eine Fehlfarbe liegt in der Hundezucht nur vor, wenn die Fellfärbung eines Hundes eben nicht im jeweiligen Rassestandard vorgesehen sind. Es gibt Hunderassen, da ist eigentlich jede Farbe erlaubt und es gibt eben Hunderassen, die sollen nur in bestimmten Farben weiter gezüchtet werden. Zum Glück ist es heute nicht mehr erlaubt, einen gesunden Welpen nur wegen einer falschen Farbe zu züchten.

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