Herkunft und Geschichte Australian Shepherd

Die Geschichte des Australian Shepherd ist nur vage bekannt. Aber das ist bei der Zuchtgeschichte vieler Hunderassen der Fall. Auch der wirkliche Grund für seinen doch sehr irreführenden Namen ist nicht zu 100 Prozent geklärt. Denn auch wenn diese Hunderasse Australian Shepherd heißt und dies zunächst an den fünften Kontinent glauben lässt, so kommt der Aussie doch aus Nordamerika und wurde dort gezüchtet. Das es über seinen Ursprung viele verschiedene Theorien gibt, dass hat der Australian Shepherd durchaus mit einigen anderen Hunderassen gemein.

Herkunft und Geschichte Australian Shepherd
Zuchtgeschichte und Herkunft Australian Shepherd – viel liegt im Dunkeln.

Vorfahren des Australian Shepherd

Zu den Vorfahren des Australian Shepherd gehören dabei verschiedene Schäferhundrassen, darunter auch aus Spanien, Mexiko, Kalifornien sowie Deutschland und Österreich. Sehr wahrscheinlich waren auch Hunderassen beteiligt, die es heute so gar nicht mehr gibt. Man nimmt auch an, dass der Carea Leonés (auch Leonese Shepherd, ein spanischer Schäferhund aus der spanischen Region Kastilien und León – daher auch der Name) mit an der Entstehung beteiligt war. Von Größe und Gewicht und vom Einsatzgebiet als Arbeitshund, der die Schafe hütet, würde das auf jeden Fall passen.

Der Name Australian Shepherd – ein echtes Rätsel

Australischer Schäferhund ohne echte Wurzeln in Australien?

Zu einer Theorie über den Herkunft des Namens gehört, dass der Australian Shepherd von baskischen Schäfern gezüchtet wurde und mit diesen nach Australien auswanderte. Als es die Basken dann von Australien weiter an die Westküste der USA wanderten, nahmen sie ihre Schäferhunde mit. Die dann wegen dem Zwischenstopp in Australien eben den Namen australischer Schäferhund bekamen. Eine andere Theorie geht davon aus, dass baskische Schäfer, die ihre Hunde aus Australien mit in die USA brachten, gar nichts mit der Namensgebung zu tun hatten, sondern eben die Schafe, die über Australien in die USA gebracht worden waren. Und so vererbten die australischen Schafe ihre Herkunft auf ihren Hüter. Oder Hunde dieser Rasse hatten zunächst häufig ein Fell in der Farbe blau-merle und dies wurde eben mit Australien assoziiert.

Sehr viel wichtiger als die Antwort auf die Frage, wie diese Hunderasse zu einem eher ungewöhnlichen Namen gekommen ist, der so gar nichts mit seiner Herkunft zu tun zu haben scheint, ist aber eigentlich, welche Hunderassen an der Entstehung des Australian Shepherd beteiligt gewesen sind und zu welchem Zweck der Aussie eigentlich gezüchtet wurde.

Vorfahren des Australian Shepherd

Was über die Herkunft und Geschichte des Australian Shepherd bekannt ist, ist eben, dass verschiedene Schäferhunde aus einigen Ecken der Welt, auch aus Spanien, an seiner Entstehung beteiligt waren und dieser Hund auf Farmen in westlichen Nordamerika im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstand. So wie wir diese Rasse heute kennen, sah dieser Hund im 19. Jahrhundert noch nicht aus. Nicht unwahrscheinlich, dass bei der Entstehung des Aussies auch Rassen mitspielten, die wir heute gar nicht mehr kennen, da diese im Laufe der Zeit einfach ausgestorben sind.

Da dem Aussie auch große Höhen nichts ausmacht, verbreitete er sich unter anderem auch als Hüter von Schafherden in den Rocky Mountains. Rancher in Boulder, Colorado, am Fuße der Rocky Mountains, begannen diese Hunde zu züchten.

Zuchtziel war es dabei immer einen Schäferhund zu erhalten, der eben perfekt auf die ihn anvertrauten Tiere aufpassen würde. Das war das, was die Hirten interessierte. Die Arbeitsfähigkeit und nicht das Aussehen der Hunde stand im Vordergrund. Und so kreuzten die Hirten im Laufe der Zeit immer wieder zum Zuchtziel passende Hunde mit hinein. Dabei passten zum Beispiel im östlichen Nordamerika Rassen aus Europa besonders. Sie passten zum dortigen Klima und den Lebensumständen. Und so passten die aus Europa dorthin exportierten Arbeitshunde eben auch perfekt. Ob dabei eben Farbvarianten entstanden, die auf dem Merle-Faktor beruhen wie Blue-Merle oder Red-Merle war bei der Arbeitsleistung nicht entscheidend. Und sicherlich noch die Robustheit und Gesundheit des Vierbeiners.

Australian Shepherd aus dem amerikanischen Westen

Ganz anders sah es im amerikanischen Westen aus. Hierhin wurden Schafe aus Spanien importiert, Churra (in USA auch häufig Churro), die dort eben perfekt überleben konnten. Diese Schafe wurden von Hunden begleitet, die sich für die Arbeit in diesem wilden und gefährlichen Gebiet ebenfalls gut eigneten. Daher wurden diese Schäferhunde aus Spanien sehr geschätzt. Wegen ihrer Arbeit bei der Herde ebenso wie sie diese vor Angriffen beschützten. Sie kamen auch gut mit der eher trockenen fast wüstenähnlichen Umgebung zu Recht. Extreme Temperaturunterschiede, die in der Wüste durchaus auch zwischen Nacht und Tag schon existieren, machten ihnen ebenso wenig aus. Sie konnten sich auch gut an die raue Sierra Nevada und ähnliche Gebirge anpassen. Da die Schäfer in dieser Gegend abgelegene Gebiete zum Weiden ihrer Tiere bevorzugten, zogen sie auch eher aggressive Hütehunde vor. Wie schon gesagt, den Schäfern ging es um den Nutzen. Ein Hund, der nicht nur die Herde hütete, sondern eben auch beschützte, nutzte ihnen natürlich mehr.

Australian Shepherd Hütehund nicht nur für Schafe
Der Australian Shepherd passt nicht nur auf Schafe auf. Er ist schon von seiner Herkunft und Geschichte her ein vielseitig einsetzbarer Hund.

Hier im amerikanischen Westen waren auch die Vorfahren des heutigen Australian Shepherd anzutreffen.

Und so entstanden in den USA verschiedene Typen von Hütehunde bzw. Schäferhunde. Einer davon war der Australian Shepherd, der heute, sicherlich nicht mehr ganz so, wie zu Beginn seiner Geschichte, existiert.

Jüngere Geschichte des Australian Shepherd

Laut American Kennel Club (AKC) ist der Australian Shepherd im Jahr 2016 auf Rang 17 der beliebtesten Hunderassen der USA zu finden gewesen. Auch in einigen Filmen waren Hunde dieser tollen Rasse bereits zu sehen. In der Welpenstatistik der VDH Mitgliedsvereine, die die Anzahl der Welpen in den verschiedenen Rassen pro Jahr aufzeigt, wurde der Australian Shepherd 2016 mit 318 Welpen aufgeführt. Damit liegt er irgendwo zwischen Pinscher (389), Bernhardiner (353), Zwergspitz (346) und Eurasier (303), Malteser (303) und Französische Bulldogge (210). Angeführt wurde die Welpenstatistik des VDH auch 2016 wider vom Deutschen Schäferhund mit über 10.000 Welpen. Auf Platz vier liegt hier zum Beispiel der Labrador Retriever mit knapp 2600 Welpen.

Das der Australian Shepherd als Arbeitshund gezüchtet wurde, ist heute noch deutlich. Es ist ein effektiver Herdenhund aus dem amerikanischen Westen. Er musste mit hartem Wetter klar kommen. Er wurde auf Energie und Ausdauer ebenso gezüchtet wie auf Geschwindigkeit und Athletik. Dabei entstand ein intelligenter, flexibler und durchaus auch unabhängiger Hund, der aber weiß, was Gehorsam bedeutet.

Die Grundlagen dafür, wie der Australian Shepherd heute aussieht und welchen Wesen und Charakter er aufweist, liegen natürlich auch in seiner Zuchtgeschichte als Hütehund im amerikanischen Westen. Verfestigt wurde das ganze aber zwischen den 1940er und frühen 1970er Jahren, spätestens als 1957 der Australian Shepherd Cub of America (ASCA) gegründet wurde und sich der planmäßigen und auch überwachten Zucht dieser Hunderasse annahm. Der Australian Shepherd Cub of America führte auch das erste Zuchtbuch dieser Hunderasse. Und das bereits seit 1957. Einen ersten Rassestandard entwickelte ASCA 1975. Dies half doch sehr dabei, dass sich Hunde dieser Rasse immer mehr ähneln.

Der American Kennel Club (AKC) erkannte den Aussie als reinrassigen Hund und eigene Hunderasse 1991 an und stufte ihn als Herdenhund ein. Nicht alle Aussie-Züchter in den USA kamen dabei mit dem AKC klar. Vorgeworfen wurde diesem, dass es mehr um Zuchtkonformität und Äußerlichkeiten als um Leistung geht. Und so trat der ASCA dem AKC zunächst bei. Am Ende gab es aber auch eine Gruppe von Züchtern, die einen Vorteil in einer AKC-Mitgliedschaft sahen. Diese gründeten eine eigene Vereinigung und zwar die Australian Shepherd Association. Diese entwickelte ihren eigenen Rassestandard und trat dem AKC im Jahr 1993 bei.

Australian Shepherd inzwischen anerkannt

Vom FCI wird der Australian Shepherd seit 1996 anerkannt, der Rassestandard ist wohl von 2007. Er erhielt hier die Nummer 342. Er wurde in der FCI-Gruppe 1 (Hütehunde und Treibhunde (ohne Schweizer Sennenhunde) und dort in die Sektion 1 (Schäferhunde), allerdings ohne Arbeitsprüfung eingeordnet.

Seit den 1960er Jahren gibt es auch den Mini Australian Shepherd.

Herkunft und Geschichte einer Hunderasse sind immer wichtig

Sich über die Herkunft und Geschichte eines Hundes bzw. einer bestimmten Hunderasse zu informieren (seine Zuchtgeschichte zu kennen), ist längst kein Luxus oder gar unnötig. Gerade wenn man die Geschichte einer Hunderasse kennt, weiß man so einiges über die einstiegen Zuchtziele. Und das erklärt eben auch das heutige Verhalten. Ein Aussie, der eben ursprünglich nicht als sportlicher Familienhund gezüchtet wurde, auch wenn er vom Charakter und Wesen her heute dafür perfekt passt, sondern eben als Hütehund, agiert eben ganz anders als zum Beispiel ein Labrador, der ursprünglich für die jagdliche Arbeit gezüchtet wurde.